Bericht des Gartenfachberaters

Beitrag zur Mitgliederversammlung am 20. November 2010

Garten-01-thumbIn den ersten 39 Jahren meines Lebens hätte ich mir nicht vorstellen können einmal Schrebergärtner zu sein. Ich bin auf dem Lande aufgewachsen auf einem Grundstück mit einer Größe vom reichlich 3.000 qm umgeben von den Äckern der LPG Beiersdorf.

Die Nachbarn waren weit weg; arrangieren musste man sich selten und potenzielle Konflikte verhedderten sich im Gestrüpp der Pufferzonen aus zugewachsenem Niemandsland.

Es war unvorstellbar einmal einen Garten zu bewirtschaften mit einer Pufferzone in Gestalt eines 1m hohen Lattenzauns.

Doch dann meldete sich das Landwirtschaftserbe in mir zurück und so versuche ich seit nunmehr 5 Jahren meinen Schrebergarten so zu bewirtschaften, dass ich zumindest den jährlichen Pachtzins an Ernteerträgen wieder herausbekomme. Die Sache mit dem Pachtzins gelingt schon allein mit den gesparten Kosten fürs Fitnessstudio.

Meine Ideen, meine Neugier und meine Irrtümer aus 5 Jahren Kleingärtnerei wollte ich einbringen, als ich vor etwa 1,5 Jahren von Herrn Franz gefragt wurde, ob ich Lust, hätte das Ehrenamt des Fachberaters zu übernehmen. Ich sagte zu. Und hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt.

Nicht nur in gärtnerischen Fragen muss Know-how bewiesen werden, sondern auch in rechtlichen und organisatorischen.

Wie hoch dürfen Obstbäume sein, wie hoch Hecken, welche Bäume und Sträucher gehören nicht in den Kleingarten?

Was bedeutet kleingärtnerische Nutzung und welche Bedeutung hat sie für die Anerkennung als gemeinnütziger Verein?

In welche Organisationsstrukturen ist so ein Verein eingebunden? Wo ist was geregelt und wie?


Alles Fragen mit denen ich mich bis dahin nicht beschäftigt hatte, weil sie für meinen 143 qm - Garten wenig bis gar nicht relevant waren.

Denn meinen Garten hatte ich nach dem Vorbild alter Bauerngärten angelegt und mit Beeträndern aus Buchs, offenen Wegen, einer Hochstammrose im Zentrum und einem kleinen Schuppen -für die Gartengeräte. Eher zufällig waren damit auch die Kriterien eines Schrebergartens erfüllt.

Spätestens seit ich an den Gartenrundgängen des Vorstands im Frühjahr und im Herbst teilnehme, weiß ich, dass Sie, liebe Gartenfreunde, viele großartige Ideen in die Gestaltung ihres Schrebergartens einbringen. Das macht die Einzigartigkeit und Schönheit unserer Anlage aus.

Nicht zuletzt ist unsere Anlage mit ihrer großen Geschichte auch immer im Fokus, wenn es um die Entstehung der Kleingartenbewegung geht.

Aber gerade weil wir im Licht des öffentlichen Interesses stehen, werden wir auch kritisch besehen: von Vertretern der Stadt, der Verbände und nicht zuletzt von Besuchern.

Die Vertreter der Stadt und der Verbände legen ihr Hauptaugenmerk auf die Einhaltung der Kleingartenordnung und damit für die Sicherstellung der Gemeinnützigkeit. Da wir alle wollen, dass unser Pachtzins bezahlbar bleibt und der kleine Luxus des Gartens mitten in der Stadt auch in der Zukunft möglich bleibt, müssen wir alle die Einhaltung der Gesetze und Verordnungen mittragen.

Lassen Sie mich hierzu einige Kriterien anführen, die insbesondere Vertreter der Stadt und der Verbände interessieren:

1. die kleingärtnerische Nutzung

Die geforderte Nutzung von 1/3 der Fläche zum Anbau von Obst, Gemüse und Blumen ist nicht in allen Gärten gewährleistet. Die verbleibenden 2/3 stehen für Rasen, Laube, Freisitz und Wege zur Verfügung.


2.  Koniferen, Thujen, Lebensbäume, Wacholder, Scheinzypressen. Alle diese Ziergehölze dürfen nicht höher als 2,50 m sein. Und grundsätzlich wird die Rodung dieser Gehölze empfohlen, da sie das Gesamtbild unserer Anlage beeinträchtigen und als Zwischenwirt für den Gitterrost dienen.

3. Wald- und Parkbäume

Folgende Baumarten sind für den Schrebergarten nicht vorgesehen: Eichen, Birken, Eschen, Ahorn, Weiden, Korkenzieherweiden, Essigbäume, Lärchen, Tannen, Kiefern, Fichten, Walnussbäume, Haselnussbäume und -sträucher, Esskastanien, Edelebereschen.

Für diese Baumarten besteht auch kein sog. „Bestandsschutz".

Wer als Besucher durch eine Kleingartenanlage geht, der interessiert sich weniger für die Gemeinnützigkeit. Eher für Pflanzenraritäten, schicke Gestaltungsideen oder nostalgische Lauben.

Wenn der Blick in die Gärten aber versperrt ist durch hohe Hecken ist das ärgerlich und zwar in zweierlei Hinsicht.

Denn erstens: Die Hecken dürfen nicht höher als 1,60 m sein. Wir genießen hier den Vorzug einer Sonderregelung wegen des denkmalschutzrechtlichen Status unserer Anlage und müssen nicht die sonst üblichen 1,20 m einhalten.

Hecken, die sich auf dem Grundstück befinden und nicht an öffentliche Wege grenzen, dürfen nur 1,80 m sein.

Und zweitens: Für niemanden ist die Kleingartenpracht einsehbar.

Und dann wäre da noch der Obstbaumschnitt. Auch der interessierte Besucher, weil in Schrebergärten passionierte Hobbygärtner erwartet werden, die Tipps und Tricks auf Lager haben.

Die Monate November bis Januar sind optimal für den Schnitt der Stein-und Kernobstbäume. Insbesondere Hochstämme, die zur Vergreisung neigen, sollten geschnitten werden. Bei Neuanpflanzungen sollte auf Niederstämme geachtet werden.


Liebe Gartenfreunde.

Sie finden alle Informationen von heute und zum letzten Gartenrundgang im Schaukasten am Schreberheim. Dort gibt es außerdem unter der Rubrik „QUERBEET" monatlich Gartentipps und andere Neuigkeiten.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche Ihnen maximale Erfolge im kommenden Gartenjahr und freue mich auf Ihre Anregungen und Hinweise.

Iris Trupke

Gartenfachberaterin

 

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